Shiwasu – wenn würdige Sensei eilen

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Shiwasu
Shiwasu
Neben der einfachen Benennung der Monate von 1 bis 12 gibt es auch traditionelle Namen im Japanischen. Dabei heißt der Dezember dann Shiwasu zu deutsch “eilende Lehrer”. Er spielt auf die im alten Japan selbst würdige Senseis (Lehrer) zum Eilen bringende Geschäftigkeit in den letzten Wochen vor dem Jahreswechsel an.

Einerseits wurden zum 31.12. eines jeden Jahres die Schulden fällig und jeder sah zu, dass er seine Finanzen in Ordnung brachte. Andererseits war es an der Zeit, sich mit Geschenken von lokalen Leckerbissen bei den Lehrern und Mentoren oder Wohltätern zu bedanken – ein Brauch, der auch heute noch in Form von “O-seibô”-Geschenken erhalten hat. Heutzutage offeriert jedes Kaufhaus die typischen Geschenke von Handtüchern und Seifen bis hin zu den lokalen Leckerbissen: Kekse, Gebäck, Fisch und andere Meeresfrüchte von lebend über eingelegt zu geräuchert oder getrocknet.

Wie bei uns Nikolaus- und Weihnachtsfeiern in den Vereinen, Schulen und in den Firmen die ohnehin bereits knappe Freizeit noch belegen, so werden in Japan in den verschiedenen Kreisen, denen der Einzelne angehört sogenannte “Bônenkai” – Jahresabschluss-Treffen gefeiert: Man trifft sich in Restaurants, wo man bereits Tage oder Wochen vorher einen Tisch oder ein Separée reservieren ließ zu einem speziellen Menü und feiert das nahe Jahresende. Wie bei so vielen offiziellen Parties geht es nach dem offiziellen Teil noch zum Karaoke und dann in die Bar…. Gut, wenn man am nächsten Tag nicht wieder arbeiten muss.

Der 24. Dezember ist ein ganz normaler Arbeitstag, sofern er nicht auf einen Montag fällt, denn dann wäre er anstelle des Feiertages am 23. 12. frei, an dem der Kaiser Geburtstag hat. Ab dem 25. wird es zunahmend hektisch, denn nun steht noch ein Großputz zuhause auf dem Programm und dann wird tagelang das Essen für die ruhigen Tage zwischen 31.12. und 3.1. vorbereitet. Das traditionelle O-sechi-ryôri besteht aus vorgekochten Leckereien, die in Lackboxen geschichtet darauf warten zu Neujahr auf den Tisch zu kommen. Es ist viel Eingelegtes dabei, Fischwurst, in Röllchen gepresstes Krabbenfleisch, aber auch die berühmten Reisklößchen. Selbst die Suppe, deren traditionelles Rezept je nach Region stark variiert, wird vorgekocht und dann zu den Mahlzeiten nur noch einmal aufgewärmt.

Während Weihnachten also im Trubel der Vorbereitungen auf Neujahr etwas untergeht, wird es dann ab dem 29.12. richtig gespenstisch still. Wer kann, fährt zur Familie in der Heimat und die Züge und Flüge sind so ausgebucht wie im Sommer zu O-bon (Allerseelenfest). Die Hälfte der Geschäfte in den Großstädten hat 3 Tage vor dem Jahreswechsel zu, die andere Hälfte dann ab dem 1. Januar. Die städtischen öffentlichen Verkehrsmittel fahren nach dem Feiertagsplan – ganze 6 Tage lang! Für die Ausländer in Japan ohne Familie oder Gastfamilie ist dies die einsamste Zeit des Jahres.