Service am Nächsten auch in Japan

eingetragen in: Allgemein | 0

Helfende Hände

Japan ist berühmt für seinen exzellenten Kundenservice. Nach meiner Rückkehr nach über fünf Jahren im Kundenparadies erlitt ich regelrecht einen Kundenschock ob der „Service-Wüste Deutschland“.

Doch die Kehrseite der Medaille ist, dass Japaner die Tendenz zeigen, hilfsbedürftige Fremde radikal zu ignorieren. Dies kommt unserem christlichen Empfinden nach einem Vergehen gegen die Nächstenliebe gleich, aber dies hat kulturelle Gründe.

Kein Service am Nächsten?

Vorweg gesagt, sind nur etwa 1% der japanischen Bevölkerung Christen – die meisten fühlen sich sowohl dem Schintoismus als auch dem Buddhismus zugehörig. Das Phänomen hat jedoch seine Wurzeln nicht in der Religion, sondern in der Struktur der japanischen Gesellschaft.
Einerseits feiert auch in Japan die Kernfamilie mit Triumpf ihren Einzug und die engen verwandtschaftlichen Bindungen sind nicht mehr so stark wie früher. Aber durch starke Alumni-Organisationen der Schulen und Universitäten, sowie das starke Zugehörigkeitesgefühl zur Firma sind auch heute noch starke Bindungen an Gruppen vorhanden. Wie bereits berichtet, kommen diese auch bei Familienfesten zum Tragen. Der große Unterschied zwischen westlichen Gesellschaften und der japanischen liegt daran, dass es bei uns einen kleinen Kern von Familie und Freunden gibt, auf wir zählen können, wenn wir Unterstützung brauchen. In Japan dagegen, ist der Mensch in ein riesiges Netzwerk von Verwandten, Freunden und den Mitgliedern seiner anderen Organisationen eingebunden. Das ist sein uchi (sein „Zuhause“), von dem er jede mögliche Unterstützung erwarten darf und auch sein voller Einsatz für ihre Belange zu seinen Pflichten gehört.“ Alle anderen Menschen der ganzen Welt gehören zur Gruppe soto („außen“), denen gegenüber keine Verpflichtungen bestehen. Deswegen ist es für den Erfolg von Japan-Geschäften auch so wichtig, sich dort ein starkes Netzwerk von Menschen aufzubauen, das dann gleicham als uchi funktionieren kann.

Da es nicht üblich ist, Passanten um Hilfe zu bitten, um nicht einen Kreislauf von gegenseitigen Verpflichtungen in Gang zu setzen, hat sich ein junger Mann einen ungewöhnlichen Weg überlegt, hier Abhilfe zu schaffen.