Thermalbad im modernen Japan

eingetragen in: Allgemein, Erfahrungen | 0
Rotemburo im Winter: Urheber: eariewboo

In der kalten Jahreszeit war es schon immer in Japan ein besonderes Vergnügen, sich beim heißen Bad aufzuwärmen: Jede noch so kleine Wohnung hat ein Ofuro (selten mit Thermalbad – Qualität). Deshalb sind  die städtischen Badehäuser, die Sento dem Rückzug. Die Königsklasse sind die Onsen – die Heilquellen. Viele Japaner nutzen die verlängerten Wochenenden für einen Besuch in einem Kurort mit Onsen. Diese haben sogar die Rotgesicht-Makaken entdeckt und nutzen ausgiebig die Freiluftbecken in den japanischen Alpen.

Ich kann mich noch an ein besonderes Silvester-Erlebnis erinnern, als wir in der Gegend des Aso-Kraters (eines noch heute tätigen Vulkans) mit einigen japanischen Freunden eine Hütte gemietet hatten. In der Nähe gab es ein Freiluft-Thermalbad – ein Rotemburo – mit einem großen, sehr heißen Becken (über 42°C). Als Ankleide diente ein Bretterverschlag. Und von dort aus erstreckte sich auch die rohe Bretterwand, mit der das Becken in zwei Bereiche für Männer und Frauen getrennt wurde. In dieser sternenklaren Nacht, bei Schnee und Außentemperaturen um den Gefrierpunkt war es ein großes Vergnügen sich für einige Minuten splitternackt dort aufzuwärmen. Die sonst obligatorische Dusche fehlte. Doch bei der hohen Temperatur von über 42*C hätten sowieso keine Bakterien überlebt. Also störte das die sonst so hygienisch peniblen Japaner nicht. Danach versammelten wir uns wieder in warme Skikleidung gepackt in der kaum beheizten Hütte.

Thermalbad in Tokyo

Bei einem Besuch in Tokyo bei einer Freundin durfte ich ein Sento – ein Badehaus – erleben, in dem dieselben Regeln gelten wie im Onsen: Erst gründlich duschen und jedweden Schaum abspülen bevor man in das heiße Becken steigt. Heute gibt es durch moderne Technik in der japanischen Hauptstadt Möglichkeiten in den oberen Stockwerken von Hotels die Vorzüge eines Termalbades zu genießen: Wie in einem Rotemburo kann man sogar nur noch den Himmel und das Meer vor sich sehen. Aber ohne, dass man bei Temperaturen  um den Gefrierpunkt auch nur eine Sekunde frieren müsste.