Heizen bei Kältewelle in Japan

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Kotatsu - der Tisch zum Heizen mit warmer Decke
Kotatsu – der Tisch zum Heizen mit der 1000-Watt-Birne und der warmen Decke für den Winter. Foto: fotolia

Wird es bei uns kalt, haben wir zumindest eine warme Wohnung – Heizen ist nicht schwierig. Dieses Glück haben die Japaner nicht in dem Ausmaß wie wir – auch nicht im 21. Jahrhundert. Außer im Norden des Landes – auf der Insel Hokkaido, wo ein ähnliches Klima herrscht wie bei uns – sind die Häuser eher für die schwül-heißen Sommer gebaut. Sie bestehten traditionell aus Holz und sind sehr zugig – angenehm im Sommer bei Temperaturen über 30°C. Was ist zu tun, wenn die Temperaturen im Winter unter 0°C fallen?

Elektro-Ofen oder Kerosin-Ofen

Gegen zugige Fenster und Türen kann man in Japan wenig tun. Doch für die normalerweise eher kurze Zeit, in der das Heizen notwendig ist, gibt es in Japan Elektro-Öfen oder auch Kerosin-Öfen. Die müssen aber abgestellt werden wenn man das Haus verlässt oder ins Bett geht. Morgens ist es also bitter kalt wenn man wieder aufwacht. Damit es nicht ganz so schlimm ist, haben viele einen kleinen Elektro-Heizer mit Timer. In meiner Japanzeit vor mehr als 20 Jahren, ließ ich etwa 15 Minuten vorheizen und das Geräusch des Ventilators weckte mich dann regelmäßig noch vor dem Wecker. Den Kerosin-Ofen machte ich nur an, wenn ich ein paar Stunden in meiner Wohnung war. Ihn nutzte ich auch zum Wasserkochen. Es scheint sich in dieser Beziehung nicht viel seit meiner Rückkehr nach Deutschland geändert zu haben.

Heizen am Tisch

Interessant ist allerdings der niedrige Tisch mit der 1000-Watt-Birne unten dran – schön geschützt mit einem Drahtgeflecht, damit man sich nicht daran verbrennt. Wenn es kalt ist, kommt eine dicke Decke zwischen Tischplatte und Gestell. Dann gibt es dicke, gequiltete Hausjacken, die den Oberkörper wärmen, während man die Beine unter dem Tisch mit der Decke aufwärmt.

Am meisten freute ich mich während der kalten Jahreszeit darauf, mich im heißen Bad noch einmal richtig aufzuwärmen und mich dann sofort unter die warmen Decken auf dem Futon zu kuscheln.

Als gesunder Mensch ist das ein natürlicher Wechsel im Laufe des Tages von Kälte zu Wärme, doch wie mag es für die alten Menschen sein, die nicht mehr so fit sind? Hier können die Kältewelle und die Notwendigkeit zu Heizen schon lebensbedrohlich werden, selbst wenn man ein Dach über dem Kopf hat. Viele alte Menschen haben Angst, im Winter zuhause zu erfrieren.

Sanieren und Isolieren?

Eine Wärmequelle war früher auch die Großfamilie oder der Brauch, dass die ganze Familie im selben Zimmer schläft und auch später Geschwister sich noch das Zimmer teilen. Damals bewegte man sich noch mehr und Heizen war nicht so notwendig. Doch heute leben so viele alte Menschen alleine in alten Häusern, die man auch schlecht sanieren oder isolieren kann. Wo noch immer mit Gas gekocht und mit Kerosin geheizt wird, und außerdem auch Erdbeben eine ständige Gefahrenquelle sind, erhöht das Isolieren die Brandgefahr. Doch das Problem sitzt tiefer: Die Umsetzung der neuen Energie-Effizienz-Standards wird von der Lobby der Bauindustrie verhindert, die eng mit der Bürokratie verflochten ist. Das ganze Ausmaß der Situation beschreibt Marcin Pietraszkiewicz in seinem Artikel sehr ausführlich.