Gedanken zur japanische Kultur im Interkulturellen Kontext

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Diese Woche ging die zweite Runde (10 Termine) eines Japan-Seminars für die (nicht-japanischen) Mitarbeiter einer japanischen Firma zu Ende. Im Gegensatz zur ersten Runde, die auf deutsch gehalten wurde, war die Herausforderung beim zweiten Mal, die Inhalte vor einem Publikum gemischter Nationalität auf englisch zu präsentieren. Die Anwesenheit von Franzosen, Briten angelsächsischer Herkunft und solcher mit Migrationshintergrund, Indern und Türken hob die Diskussionen auf ein neues Niveau.

Es ist wohl bekannt, dass die Deutschen und Japaner sich durch so manche kulturelle Eigenheit näher stehen, wie zum Beispiel die Betonung der hohen Qualität der Produkte, die Höflichkeit, der Fleiß… Andere japanische Sitten, wie der Linksverkehr, das ordentliche Schlangestehen und die verstärkte Rücksicht auf Andere, sofern diese im weitesten Sinne zur eigenen Gruppe (jap. uchi = innen vs. soto = außen) gehören, ähneln stark der britischen Kultur und gehen wohl auf eine ähnliche geographische Lage als Inselgruppe am Rande des Kontinentes zurück. Nicht umsonst verbrachte die berühmte Iwakura-Mission, die von 1871 bis 1873 um die Welt reiste um von den modernen Wirtschaftsmächten zu lernen, die meiste Zeit in London und Umgebung.

Natürlich gibt es durch die Einflüsse des Buddhismus und des Konfuzianismus viele Gemeinsamkeiten mit anderen asiatischen Kulturen, wie der chinesischen und der koreanischen, doch muss man gerade im Vergleich mit diesen vermeintlich ähnlichen Kulturen doch genauer hinsehen und vor allem die historischen Beziehungen zu diesen Ländern betrachten: China ist die alte Mutterkultur der Region und exportierte über Jahrhunderte sowohl materielle Güter als auch kulturelle Ideen, doch anders als alle anderen Länder um China herum, akzeptierte der japanische Herrscher schon seit dem 8. Jahrhundert keine untergeordnete Rolle gegenüber dem chinesischen Kaiser und lehnte Tribbutzahlungen und die Gelegenheit zu direktem andel ab. Die für eine Sprache ohne Veränderungen an den Worten zum Ausdruck grammatischer Informationen ideale chinesische Schrift, die mit der Einführung des Buddhismus übermittelt wurde, passten die Japaner an ihre Bedürfnisse an. Im japanischen werden grammatikalische Informationen an die Wortstämme angehängt, ähnlich wie im Türkischen, so dass ein System entstand aus zwei Silbenschriften von jeweils 47 Grundzeichen und einer weit geringeren Anzahl von chinesischen Schriftzeichen, als es für das Chinesische nötig ist.

japanische Kultur Im Gegensatz zu Indien, das wiederholt Erfahrungen mit der Kolonisierung durch Muslime und Briten gemacht hatte, hatte Japan nach der Konsolidierung Anfang des 17. Jahrhunderts die Möglichkeit, den Weg der Abschottung vom Rest der Welt zu wählen. Nur über ein “Fenster zur Welt” auf einer künstlichen Insel vor Nagasaki wurde einer kleinen Gruppe von Intellektuellen streng kontrollierter Zugang zu den westlichen Wissenschaften gewährt. Doch nach der erzwungenen Öffnung des Landes 1853 und einem dramatischen innenpolitischen Wandel als der Kaiser wieder selbst die Regierungsgeschäfte in die Hand nahm und dann Ende des 19. Jahrhundertseine parlamentarische Monarchie installierte, zeigte Japan erstaunliche Lernfähigkeit um dann bald selbst eine aggressive Rolle auf der Weltbühne zu spielen. Das 20. Jahrhundert ist geprägt von einer politischen, später eher wirtschaftlichen Dominanz Japans in Ostasien, doch schon vor dem Jahrtausendwechsel wurde es von den Tigerstaaten eingeholt und überholt, was zu einer Umorientierung und der Einrichtung von Kooperationen mit diesen und anderen asiatischen Schwellenländern führte. Heute ist Osteuropa die Werkbank Europas während das kontinentale Asien sowie Südostasien dort diese Rolle übernehmen.