Die japanische Schrift – Schülern präsentiert

japanische SchriftAm 21. Januar 2014 hatte ich mein bisher jüngstes Publikum: Die Klassen 4 und 5 der Montessori-Schule Dietzenbach. Nachdem dort schon im November die große Erzählung von der Entstehung der Schrift von Maria Montessori auf dem Lehrplan stand, hatte meine Tochter vorgeschlagen, ich könne ja mehr über die japanische Schrift erzählen.

Die japanische Schrift

Japan lernte die chinesischen Schriftzeichen mit dem Import der buddhistischen Schriften im 6. Jahrhundert kennen. Bald begann man dann auch selbst auf die selbe Weise eigene Texte zu schreiben. Die erste Verfassung Japans, die 17-Artikel-Charta des Prinzregenten Shôtoku Taishi (um 600 n. Chr.) ist so geschrieben – komplett auf Chinesisch.

Allerdings ist die grammatische Struktur des Japanischen ganz anders als die des Chinesischen. Wie im Englischen, gibt es im Chinesischen keine Veränderungen an den einzelnen Wörtern, während bei Japanisch zumindest Verben und Adjektive durch Nachsilben modifiziert werden um zum Beispiel Vergangenheit oder Negation auszudrücken. Solche Elemente stehen im chinesisch geschriebenen Satz an einer anderen Stelle, so dass man beim Lesen auf Japanisch die Reihenfolge vertauschen muss.

Bis Anfang des 9. Jahrhunderts konnte man Japanisch nur in dieser unpraktische Form schreiben. Erst der Mönch Kûkai, der in Indien Sanskrit und die Devanagari-Schrift gelernt hatte, konnte mit der Entwicklung der beiden Silbenschriftsysteme Hiragana und Katakana Abhilfe schaffen. Durch extreme Vereinfachung bestimmter Kanji schuf er zwei Silbenschriften, deren je 47 Grundzeichen größtenteils aus Konsonant-Vokalverbindungen bestehen. Neben den fünf Vokalen gibt es nur den Buchstaben „n“ einzeln.

Heute werden die Hiragana am häufigsten eingesetzt um einerseits die grammatischen Informationen wiederzugeben, andererseits auch all die Worte zu schreiben, die normalerweise nicht mit Kanji geschrieben werden. Die Katakana funktionieren in etwa wie Druckschrift und werden hauptsächlich für Fremdworte und westliche Namen verwendet. Desweiteren kann man sie wie die Kursivschrift bei uns benutzen um bestimmte Worte hervorzuheben.