Neujahr in Japan

eingetragen in: Japanische Kultur | 0
Neujahr in Japan
Bambus und Kiefer als glückbringende Symbole für Neujahr

Neujahr in Japan wird nach dem Sonnenkalender 3 Tage lang gefeiert. Es ist ein Familienfest, doch selbst in dieser gespenstisch stillen Zeit fahren die öffentlichen Verkehrsmittel wenigstens nach dem Feiertagsplan und am 1. Januar tragen die Postboten sogar die Neujahrspost, die im Laufe des Dezembers gesammelt wurde. in schön geschnürten Bündeln aus. So viel Service muss sein! Ein spezielles Neujahrsgeschenk ist die automatische Teilnahme an einer Lotterie mit der Nummer, die hinten auf der Neujahrskarte abgedruckt ist.

Zu Ômisoka – wie der Silvesterabend auf Japanisch heißt – isst man traditionell Nudeln, denn so lang wie diese sind, soll auch noch das Leben dauern. Nach altem Brauch wird ja nicht der individuelle Geburtstag gefeiert, sondern gemeinsam mit dem neuen Jahr werden auch alle ein Jahr älter. So gibt es also hier zwei Arten, das Alter zu berechnen: einmal ganz modern nach der Anzahl der Wiederkehr des Geburtstags, das andere Mal – kazoe-doshi genannt – nach der Anzahl der erlebten Neujahrstage – also in der Regel ein mal mehr! Ursprünglich galt ja bis vor gut 100 Jahren in Japan auch der Mondkalender und man feierte das chinesische Neujahr, aber dieser Kalender zählt nun nur noch für traditionelle Dorffeste, Schreinfeste, oder Wahrsagerei. Das kommende chinesische Neujahr am 9. Februar 2016 läutet dann übrigens das Jahr des Feuer-Affen ein. Alle, die in diesem Jahr 12, 24, 36, 48, 60, 72, 84 oder 96 werden, gelten als toshi-onna (Frau des Jahres) oder toshi-otoko (Mann des Jahres).

Nach dem Nudel-Abendessen machen sich nicht wenige Japaner und dort lebende Ausländer auf den Weg in einen Schrein. Es ist üblich in den ersten drei Tagen des Jahres möglichst drei verschiedene Schreine zu besuchen, dort ein Amulett zu kaufen, der dort residierenden Gottheit eine Bitte vorzutragen und eventuell auch das Orakel zu befragen. In Dazaifu, 20 km südöstlich von Fukuoka zum Beispiel gibt es einen Großschrein des Gottes der Gelehrsamkeit, der in jener Nacht von Hunderttausenden von Menschen besucht wird. Die Tore öffnen sich um Schlag Mitternacht erst, so dass die Massen vorher schon stundenlang die Pilgerstraße entlang sich aufstellen, entlang derer sich einige buddhistische Tempel reihen, die ihrerseits bereits Stunden vor Mitternacht mit dem Schlagen der Tempelglocke beginnen. Genau 108 Glockenschläge gibt es bis Mitternacht – und mit jedem soll die Menschheit von einem Laster befreit werden.

Schlag Mitternacht geriet nun die Menge vor Dazaifu in Bewegung, aber wir brauchten dann sicher noch einmal 45 Minuten, bis auch wir das Schreingelände betreten konnten. Noch während wir geduldig uns Meter für Meter vorwärts tasteten, hörten wir von hinten kräftige Stimmen junger Männer: Sie feuerten sich gegenseitig an, als sie im Trainingsanzug und mit Stirnband angetan im Laufschritt an uns vorbeizogen. Jeder machte willig Platz, denn diese Burschen verkörperten den japanischen Geist: Um der Unterstützung des Gottes der Gelehrsamkeit bei der Aufnahmeprüfung für die Universität gewiss zu sein, wollten sie ihm zeigen, dass sie ihrerseits alles taten um fit für das Studium zu sein.

Neujahr in Japan
Japanische Leckereien zu Neujahr

Auf dem Schreingelände gab es dann warmen Reiswein und andere Köstlichkeiten, Amulette, Orakelzettel und Holztafeln mit dem Bild des diesjährigen Schutztieres, auf die man seinen Wunsch schreiben konnte, und das dann an einen Zaun oder Baum gehängt wurde. Waren die Bitten erledigt, machte man sich recht bald wieder auf den Heimweg um auch Platz für weitere Wartende zu machen. Drei Tage lang herrscht dann an den größeren Schreinen Hochbetrieb, und manchmal gibt es auch noch zusätzlich ein Schreinfest, von denen an anderer Stelle berichtet werden soll.

Wie bereits in einem anderen Beitrag angedeutet, gibt es drei Tage lang nur kalte Küche, die vorbereiteten Speisen in den Lackkästen – nur Reiswein und Suppe werden warm serviert. Es werden Familienbesuche gemacht, und Professoren laden den überschaubaren Kreis ihrer Studenten im Magister- oder Promotionskurs ein. Als Gaststudierende mit Kontakten zu Germanisten verschiedener Universitäten war ich die ersten Jahre auch über Silvester ziemlich beschäftigt mit Besuchen, Small Talk und den ewig gleichen Speisen bevor sich dan langsam wieder eine Sehnsucht nach deutscher Weihnacht und Silvester in mir breitmachte.

Akemashite, omedetô gozaimasu – Alles Gute zum Neuen Jahr!

Sakunen taihen osewa ni narimashita – Vielen Dank für alles im vergangenen Jahr!

Kotoshi mo yoroshiku onegai shimasu – Ich freue mich auf die weitere gute Zusammenarbeit in diesem Jahr!