Impressionen Japan (2) Regenzeit

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Gleich nach den Eisheiligen im Mai bescherte uns Petrus dieses Jahr eine Hitzewelle, die nur durch kurze Regengüsse – in der Rhein-Main-Region vorwiegend nachts – unterbrochen wurden, während es in Japan nach der Kirschblüte noch eine ganze Weile kühl und regnerisch war. Der Juni und die erste Hälfte des Juli waren in Deutschland dafür eher kühl und regnerisch. In Japan werden diese Monate von der Regenzeit dominiert.

Das liebe Wetter – bei uns in Deutschland nicht wirklich als Gesprächsstoff interessant, da man ja eh nichts daran ändern kann. Ganz anderes bei den Briten, wo man über Bemerkungen zum Wetter gut ein Gespräch beginnen kann.

Impressionen Japan
Regenfront über Japan (Quelle: NASA)
In Japan ist das Wetter zusammen mit Beobachtungen in der Natur sehr wohl guter Gesprächsstoff und bekommt in den Nachrichten mehr Beachtung zusätzlich zur Wetter hervorsage. Das könnte natürlich an der besonderen geographischen Lage liegen, denn Japan ist nicht nur Erdbeben gefährdet, sondern besonders im Spätsommer wird es auch von Wirbelstürmen (Taifun) bedroht, die dann auch für ein bis zwei Tagen den überregionalen Flug- und Schienenverkehr lahmlegen können. Somit wird die Entwicklung dieser Taifune im Südpazifik akribisch beobachtet und entsprechend Warnungen ausgegeben. Die Bevölkerung kann sich vorbereiten, sich mit Kerzen und ausreichend Nahrungsmitteln eindecken. Arbeitnehmer stellen sich auf eine Nacht am Arbeitsplatz ein, Schüler und Studenten werden früher nach Hause geschickt. Wer seit der Kindheit schon so viele Erfahrungen gesammelt hat, gerät auch angesichts eines Stromausfalls auf Grund des großen Erdbebens im Nordosten des Landes nicht in Panik, sondern macht sich auf den Weg nach Hause, auch wenn es in einen stundenlangen Marsch bedeutet.

Die Regenzeit beginnt in Okinawa bereits Mitte Mai und erreicht dann bis Ende Juni auch die nördlichen Präfekturen der Hauptinsel Honshu, verschont aber Hokkaido, wo man sich im Juni und Juli des kurzen Sommers erfreut. Im Gegensatz zu Europa, wo die Erkältungszeit von November bis April geht, sind die Menschen in Japan eher in der Regenzeit und im Sommer – wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen – erkältet. Da es hier als unhöflich gilt, in Anwesentheit anderer Menschen in ein Taschentuch – vielleicht gar noch ein Stofftaschentuch – zu schneuzen, wird überall geschnieft und gehustet. Bei Temperaturen ab 28°C und einer Luftfeuchtigkeit von 98-100% trägt man natürlich Sommergarderobe und braucht die Jacke eher in den klimatisierten Räumen als draussen. Bis Mitte der 1990er Jahre war es drinnen so kühl, dass man sich tatsächlich leicht erkältete, und wenn man wieder an die “frische” Luft kam, fühlte man sich erdrückt. Allerdings gab es da auch noch Schulen und Universitäten, die nicht einmal klimatisiert waren und nur die Öffnung der Fenster etwas Linderung brachte. Ich erinnere mich noch lebhaft an eine Unterrichtsstunde in Englisch an einer städtischen Universität im Juli 1991 während der es draussen in Strömen goss und so schwül-heiß war, dass mir der Schweiß von der Stirn in die Augen lief und sich mit Tränen vermischt weiter seinen Weg über mein Gesicht bahnte, ich also meine Studenten immer nur für eine kurze Weile sah, nachdem ich mir das Gesicht mit einem Frotteetuch abgewischt hatte.

Das Ende der Regenzeit wird dann überall mit großen Schreinfesten gefeiert, in denen vor allem die Männer ihre Kraft demonstrieren. Im Stadtteil Hakata von Fukuoka, werden zum Beispiel tonnenschwere Aufbauten oder Wägen aus Massivholz durch die Straße tragen.