Aufräumen mit japanischer Gründlichkeit

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Neulich im Gespräch mit japanischen Kunden, wollten diese es mir kaum glauben: Die deutsche Übersetzung des japanischen Bestellers von Marie Kondo „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“erreichte 8 Wochen nach der Veröffentlichung Platz 16 auf der Bestsellerliste der Sachbücher im Taschenbuchformat. Deren Image von einer deutschen Hausfrau beinhaltet doch, dass es bei ihr immer sauber und aufgeräumt ist. Außerdem sind deutsche Wohnungen und Häuser deutlich großzügiger gestaltet als die japanischen „Hasenställe“.

Buchcover: Marie Kondo: Magic Cleaning

In Japan war das Buch der Aufräum-Fanatikerin, ein Riesenerfolg: Zusammen mit dem zweiten Band, verkaufte sich der Titel bereits über 1,7 Millionen mal und die junge Dame ist nebenbei eine gefragte Ordnungsberaterin.

Doch was erhoffen sich die Deutschen von diesen Aufräum-Tipps aus Japan? Unser Image von Japan beinhaltet den perfekt inszenierten, „leeren“ und geschickt genutzten knappen Raum. Tatsächlich beschreibt die Autorin Fälle, in denen ein Messie-Zimmer sich in einen spärlich geschmückten Wohnraum verwandelte. Doch die Wirkung beschränkt sich nicht auf das Äußere: Ausmisten und Aufräumen sind nur Meilensteine zur inneren Klarheit: So berichten Klientinnen wie sich dadurch ihr Leben grundsätzlich veränderte: Pfunde purzelten, Beziehungen kamen in Ordnung und sie fanden ihren Traumjob.

Zugegeben, es war für mich durchaus eine neue Herausforderung, dieses Buch zu übersetzen. Nach den eher trockenen Patentschriften, technischen Handbüchern, oder den philosophischen Gedanken zu den Wasserexperimenten von Masaru Emoto, sprudelt Marie Kondo nur so vor Enthusiasmus. Sie schreibt frisch von der Leber weg, so wie junge japanische Frauen heute sprechen: Viele Lautmalereien, für die es keine deutsche Entsprechung gibt, oder (englische) Lehnwörter, die – weil einfach zu lang – fast bis zur Unkenntlichkeit eingekürzt werden. Besonders gewöhnungsbedürftig für deutsche Leser ist die Idee, dass auch Dinge eine Seele oder einen Willen besitzen, ja ihrem Besitzer dienen und auch entsprechend pfleglich behandelt werden wollen. Für Japan ist dieses Konzept nichts Neues, denn traditionell gibt es Bestattungszeremonien sogar für ausgedientes Werkzeug wie z.B. Nähnadeln!

Dank des einfühlsamen Lektorats ist daraus jedoch ein wundervolles Buch geworden, das zu recht die deutschen Bücher-Charts im Sturm eroberte.

2 Antworten

  1. Dr. M. Lubitz
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    … nun habe ich gelesen, dass Du das herrliche Buch „Magic Cleaning“ übersetzt hast, das ich so genial finde.

    Gratuliere – tolle Arbeit!

    (B. Bröstl, München)

  2. Dr. M. Lubitz
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    Es liest sich toll, ist an die europäische Denkweise und Terminologie angepasst. Damit hat man anders als bei vielen amerikanischen Büchern viel stärker das Gefühl: Ich bin gemeint!

    (U. Bergmann-Albrecht, München)

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