Adoptierte Firmennachfolger

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Ich freue mich auf den Ruhestand – der adoptierte Schwiegersohn führt mein Unternehmen weiter…

Weltweit gibt es in Japan die meisten Unternehmen, die älter als 100 Jahre alt sind, gefolgt von Deutschland, wo immerhin noch 19% der Betriebe eine solch lange Tradition aufweisen können. Doch in Deutschland haben gerade kleine und mittelgroße Betriebe Schwierigkeiten einen Nachfolger zu finden und müssen manchmal sogar ganz aufgegeben werden.

Adoptierte Firmennachfolger

Während in Deutschland einige tausend kinderlose Ehepaare Kinder adoptieren, geht Japan in der Adoption einen anderen Weg. Dort betreffen 98% der an die 90.000 Adoptionen pro Jahr erwachsene Männer. Diese Möglichkeit hat mehrere positive Auswirkungen, denn zum Einen strengen sich Manager mehr an, wenn sie eine solche Chance sehen, aber auch Söhne nehmen den Einstieg ins Unternehmen ernster, da sie wissen, dass ihnen sonst ein fähigerer Chef vorgesetzt werden kann. In einem Land, in dem Frauen noch immer selten in Managementpositionen zu finden sind, können viele Unternehmer sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, die Firmenleitung an eine Tochter zu übergeben, selbst wenn sie Interesse zeigt. Dann passiert es oft, dass sie nicht mehr frei ist in der Wahl ihres Ehepartners, sondern den adoptierten Nachfolger heiratet. Dieser wird dann als adoptierter Schwiegersohn (mukô yôshi) bezeichnet. Mir selbst ist ein Fall bekannt, in dem ein junger Geisteswissenschaftler in den 90er Jahren seine Freundin (einzige Tochter eines Unternehmers) nicht heiraten konnte weil ihre Eltern ihn nicht als fähigen Unternehmensnachfolger ansahen.

Eine Studie dieses Phänomens in der japanischen Gesellschaft hat sogar interessante Zusammenhänge mit der Bewertung solcher Unternehmen an der Börse aufgedeckt.